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Endlich ist sie da, die „Kunst am Bau“ vor dem RMCC. Am Freitagnachmittag wurden die Objekte von Bürgermeisterin Hinninger, dem Direktor des Landesmuseums Dr. Andreas Henning und natürlich der Künstlerin Emilia Neumann feierlich enthüllt.
Ich gehe ja keineswegs davon aus, dass sich viele Wiesbadener darauf gefreut haben, aber die wenigen, die zumindest gespannt darauf waren, sind jetzt ernüchtert, gelinde ausgedrückt. Ich habe Stimmen vernommen, die sagten, verhüllt seien die Objekte schöner gewesen.
Die Resonanz in den sozialen Medien war dann auch vernichtend. Hier ein paar zufällig ausgewählte Kommentare aus Facebook:
„Ich finde die Teile auch ziemlich hässlich, sehen aus, als hätte man eine Kindergartengruppe mit Farbeimern dran gelassen.“
„Für 400.000 Euro all inclusive. Potthässlich und leider fest installiert.“
„Über Geschmack kann man streiten, aber diese Skulpturen sind geschmacklos und ohne Anleitung unverständlich und hässlich.“
„Und so ein Mist kostet auch noch Geld“
„… das ist Niveau Gesamtschule Kunstunterricht.“
„Wie viele Spielplätze hätte man mit dem Geld sanieren können.“
„Die 400.000 € hatte man besser in Schulen und Bildung gesteckt… Das ist keine Kunst, das ist Abzocke.“
SCHON DIE VORGESCHICHTE IST TEUER
An dieser Stelle noch ein paar Worte zur Vorgeschichte: Im Baubudget des RMCC wurden 500.000 Euro für „Kunst am Bau“ eingeplant. Es ist aber keineswegs so, dass diese Kunst bei öffentlichen Bauvorhaben gesetzlich verpflichtend ist, es ist eine reine Selbstverpflichtung, wobei die Summe sehr flexibel ist. Oft ist die Rede von 2% der Bausumme, aber das stimmt nicht, die Empfehlungen, liegen zwischen 0,5 bis 1,5%, abhängig von der Größe der Baumaßnahme. Da die Fertigstellung des RMCC rund 194 Millionen Euro gekostet hat, sind das mal gerade 0,26%. Fast schon ein Schnäppchen.
Dieses Objekt hat den Steuerzahler übrigens „nur“ 400.000 Euro gekostet. Dies liegt daran, dass bereits vor 6 Jahren ein anderes Objekt, von der renommierten Künstlerin Monica Bonvicini, von einer Jury ausgewählt wurde und die Planungen begonnen wurden. Dieser Entwurf, eine Pyramide – bekannt geworden unter der passenden Bezeichnung „Steinhaufen“ – wurde glücklicherweise von der Betreibergesellschaft des RMCC abgelehnt.
Unglücklicherweise waren damit 100.000 der geplanten 500.000 Euro schon weg.
DER BÜRGER DARF ZAHLEN ABER NICHT MITBESTIMMEN
Kommen wir zu den Objekten selbst. Sie sind aus Beton, wenn auch nicht ganz massiv, denn aus Transportgründen haben sie einen Styroporkern. Sie wirken wie gepresster Plastikabfall. Das ist aus Sicht der Künstlerin auch so beabsichtigt. Sie sagte, dass sie passend zu Wiesbaden das Thema Wasser aufgegriffen habe, deswegen auch die zu Beton gewordenen Wasserleitungen, und Wasserbehälter. Auch die „fließende Farbgebung suggeriert Spiegelungen, und Sedimentierungen“, so die Künstlerin.
Ansonsten solle „jeder Betrachtende die Werke selbst dechiffrieren“.
Da ist er wieder, der alte Streit: Muss Kunst ästhetisch sein, muss sie eine Aussage haben? Letztere Frage beantworten Künstler gerne damit, dass sich die Kunst in den Köpfen der Betrachter abspielen müsse und man deswegen nichts erklären wolle. Praktisch, denn so kann man tatsächlich alles als Kunst verkaufen.
In einem Kommentar im Wiesbadener Kurier heißt es „Sicher werden sie (die Objekte) diskutiert und auch für Kontroversen sorgen. Aber wichtig ist, dass sich die Stadt an dieser markanten Stelle für diese Debatte öffnet.“
Das kann man so sehen. Aber ist das wirklich die Aufgabe oder das Anliegen von Kunst? Ich denke nein.
Und ich frage mich, warum man die Auswahl regelmäßig einem abgehobenen Expertengremium überlässt. Warum überträgt man diese Auswahl nicht interessierten Bürgern? Denn wie heißt es so schön: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“. Oder analog: Die Kunst muss dem Publikum, in diesem Fall den Wiesbadener Bürgerinnen und Bürgern oder auch den Besuchern des RMCC gefallen, nicht aber ausschließlich den Leuten aus der Kunstszene. Wie die Resonanz aus der Bevölkerung zeigt, schmeckt hier der Wurm offensichtlich nur den Anglern.
Der Wurm muss dem Fisch schmecken.
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