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KOMMENTAR ZUM SEG-PROSPEKT:
„Ostfeld – ein neuer Stadtteil entsteht“

Rechtzeitig zu den ersten Sitzungen des Stadtparlaments nach der Sommerpause beglückt uns die Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbadens, die SEG, mit einer Broschüre über den geplanten neuen Stadtteil „Am Fort Biehler“. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Am 17. September wird das Stadtparlament verbindlich darüber entscheiden müssen, welche Flächen im Ostfeld für das Entwicklungsgebiet in Frage kommen. Und bis dahin will die SEG alle Zweifel am Projekt ausgeräumt wissen.

Gibt es denn Zweifel? Die gibt es! Nach wie vor wird in der Stadtgesellschaft erbittert für ein vernünftiges Lärmgutachten gekämpft, das die Emissionen des Militärflughafens in der Zukunft angemessen berücksichtigt. Auch wird von Seiten der privaten (Noch-)Eigentümer für eine anständige Entschädigung für die erzwungene Abgabe der Grundstücke an die Stadt gestritten. Denn es spricht einiges dafür, dass die Stadt deutlich mehr als nur 5-10 € für den Quadratmeter Grund und Boden an die Eigentümer zahlen sollte.

Wie begegnet die SEG nun diesen Zweifeln? Werden sie durch die Broschüre ausgeräumt? Nein. Die vorliegende Broschüre ist ein Musterbeispiel für aalglatte PR, die alles Kritische und Problematische an dem Projekt umschifft oder genauer: in leeren Floskeln und Verwaltungssprech ertränkt.

Sie möchten eine Kostprobe? Auf Seite 14, wo es um die Art und Weise geht, in der die Grundstückseigentümer enteignet werden sollen, spricht man von „den Interessen der unterschiedlichen Nutzer“, im darauffolgenden Satz dann von den „von der Planung berührten Akteuren“. Und noch etwas weiter unten gibt man vor, die „individuellen Auswirkungen durch die Umsetzung der Maßnahme“ gering halten zu wollen.

„Nutzer“, „Akteure“, „individuelle Auswirkungen“? Wir könnten uns keine euphemistischere, den Kern der Sache krasser verfehlende Ausdrucksweise als diese ausdenken. In den Ohren der Betroffenen – zu Deutsch: den Eigentümern – müssen solche Worte wie der blanke Hohn klingen. Genauso wie die Behauptung der SEG, sie könnte den Eigentümern nicht mehr zahlen, weil es noch keine „Flächennutzungsplanänderung“ gegeben habe. Dabei hat die SEG das Verfahren zu eben dieser Änderung bis heute ganz bewusst verschleppt. Bis zum 17. September hätte das sogenannte „Zielabweichungsverfahren“ schon längst erfolgt sein können. Dass das nicht geschehen ist, ist kein Zufall!

Wer aber als Leser nicht über das nötige Hintergrundwissen verfügt, um solche Verschleierungen zu durchschauen, der wird nach der Lektüre der Broschüre davon überzeugt sein, dass das Ostfeld die Eier legende Wollmilchsau für Wiesbaden ist – ganz im Sinne der SEG. Insofern haben die beiden Geschäftsführer Guntrum (CDU) und Stöcklin (SPD) saubere Arbeit geleistet.

Mit sachlicher und verständlicher Aufklärung hat das alles aber nichts zu tun. Obendrein ist dieses Machwerk wohl auch von niemandem Korrektur gelesen worden: ein derart schlecht geschriebenes und schlampig lektoriertes Dokument ist uns in dieser Legislaturperiode von Seiten der Stadt noch nicht vorgelegt worden.

Den Prospekt der SEG gibt es hier: https://dein.wiesbaden.de/wiesbaden/de/home/file/fileId/1498/name/Brosch%C3%BCre_Ostfeld

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